Speisekarten-Texte mit KI: appetitlich formulieren, ohne abgemahnt zu werden
„Käsespätzle mit Röstzwiebeln“ ist eine Zutatenliste. „Hausgemachte Eierspätzle, großzügig mit würzigem Bergkäse überbacken und gekrönt von goldbraun geschmorten Zwiebeln“ ist ein Grund, sie zu bestellen. Der Unterschied kostet dich zwanzig Minuten pro Gericht.
Bei einer Karte mit dreißig Positionen sind das zehn Stunden. Für Text. In einem Beruf, in dem du eigentlich kochst.
Warum die meisten Karten langweilig klingen
Nicht, weil Gastronomen nicht schreiben können. Sondern weil man nach dem zwölften Gericht keine neue Formulierung für „lecker“ mehr findet. Der Wortschatz erschöpft sich, die Sätze werden gleich, und am Ende steht „hausgemacht“ dreißig Mal.
Genau hier ist KI stark. Sie hat keinen erschöpften Wortschatz. Du gibst ihr die Zutaten, die Zubereitungsart und eine Besonderheit, sie liefert drei Formulierungsvorschläge, du wählst.
Eingabe: „Gericht: Kürbissuppe. Zutaten: Hokkaido, Ingwer, Kokosmilch. Besonderheit: regionaler Kürbis vom Hof nebenan. Ton: gemütlich, herbstlich.“
Und jetzt der Teil, den die KI nicht weiß
Eine Speisekarte ist kein Werbetext. Sie ist ein Dokument mit gesetzlichen Pflichten. Und die KI kennt weder deine Rezeptur noch das Lebensmittelrecht.
Allergene und Zusatzstoffe
Die Lebensmittelinformations-Verordnung schreibt vor, dass die vierzehn Hauptallergene gekennzeichnet werden. Zusatzstoffe ebenfalls. Fehlt die Kennzeichnung, drohen Bußgelder, und im Ernstfall gefährdest du Gäste.
Lass die KI niemals Allergene ergänzen oder schätzen. Sie kennt deine Rezeptur nicht. Wenn sie eine Allergenkennzeichnung vorschlägt, ist sie geraten. Die Kennzeichnung machst du selbst, anhand deiner Rezepturen.
Gesundheitsbezogene Aussagen
Die Health-Claims-Verordnung regelt, welche gesundheitsbezogenen Aussagen über Lebensmittel erlaubt sind. Die kurze Zusammenfassung: fast keine.
„Stärkt das Immunsystem“, „macht schlank“, „gut für die Verdauung“, „entzündungshemmend“. All das ist ohne zugelassene Angabe unzulässig, auch auf einer Speisekarte. Und KI formuliert solche Sätze gern, weil sie in Rezeptblogs stehen.
Schreib in deinen Prompt ausdrücklich hinein: „Keine gesundheitsbezogenen Aussagen. Beschreibe nur Geschmack, Zubereitung und Herkunft.“ Das reduziert die Nacharbeit erheblich.
Herkunftsangaben
„Regionaler Kürbis“, „Bio-Ei“, „Weiderind“ sind Tatsachenbehauptungen. Wenn sie nicht stimmen, ist das irreführende Werbung nach dem UWG. Die KI übernimmt solche Angaben aus deiner Eingabe, ohne sie zu hinterfragen. Prüfe jede Herkunftsangabe im fertigen Text.
Der Ablauf, der Zeit spart und sicher ist
- Notiere Gericht, Hauptzutaten, Zubereitungsart und eine Besonderheit.
- Bitte die KI um zwei bis drei Sätze, ausdrücklich ohne Gesundheitsaussagen.
- Lies den Vorschlag. Streiche alles, was du nicht belegen kannst.
- Ergänze Allergene und Zusatzstoffe selbst, anhand deiner Rezeptur.
- Prüfe Herkunftsangaben gegen deine Lieferscheine.
Zwanzig Minuten werden zu fünf. Bei dreißig Gerichten sind das siebeneinhalb Stunden, die du nicht am Schreibtisch verbringst.
Wo KI in der Gastro sonst noch trägt
Die Speisekarte ist einmal im Quartal dran. Täglich dran sind Social Media, Bewertungen und Gästeanfragen. Bei allen dreien gilt dasselbe Prinzip: Die KI liefert den Entwurf, du prüfst und schickst ab.
Besonders bei Bewertungen lohnt es sich. Der erste Impuls nach einer schlechten Bewertung ist Rechtfertigung, und Rechtfertigung liest sich immer schlecht. Eine KI hat kein gekränktes Ego.
Was bleibt
KI schreibt keine Speisekarte. Sie schreibt Formulierungsvorschläge für Speisekarten. Für Rezeptur, Allergene, Herkunft und Rechtssicherheit haftest du.
Wer das trennt, gewinnt eine Menge Zeit. Wer es nicht trennt, riskiert ein Bußgeld, weil ein Sprachmodell in einem Rezeptblog gelesen hat, Ingwer sei entzündungshemmend.
Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung. Bei Fragen zu Kennzeichnungspflichten, LMIV oder Health Claims wende dich an die zuständige Lebensmittelüberwachung oder einen Fachanwalt.
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